Geschichte

Geschichte

Ein kurzer Rückblick

Der Bau des Fliegerhorstes Memmingen beginnend am 21. Januar 1936 - nach Vorarbeiten im Jahr 1935 - war eine für viele Menschen beeindruckende Maßnahme. Es gab übrigens vor Baubeginn ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Memmingen, Dr. Heinrich Berndl, an das Reichsluftfahrtministerium mit der Bitte, den Fliegerhorst möglichst nahe an die Stadt Memmingen zu bauen, um eine gute Verkehrsanbindung zu bekommen.

Der Fliegerhorst wurde in kurzer Zeit fertiggestellt. Bautrupps waren Tag und Nacht im Einsatz. Am 18. Oktober 1936 war Richtfest und zum Jahreswechsel 1936/37 flogen die ersten Flugzeuge ein.

Ab März 1937 war hier die III. Gruppe des KG 255, des sog. "Alpengeschwaders" stationiert, das bald darauf wurde jedoch in KG 51 "Edelweiß" umbenannt wurde. Der Stab und die I. Gruppe des KG 51waren in Landsberg, die II. Gruppe in Leipheim stationiert. Zunächst flog das KG 51 die Dornier Do-17, später die Heinkel HE 111, ab 1940 dann die Junkers Ju 88.

Nachdem das KG 51 nach Frankreich verlegt hatte, wurde auf dem Platz eine Betonpiste von 1.000m Länge gebaut. Der Fliegerhorst wurde anschließend von der Zerstörerschule 2 - später in ZG 101 umbenannt - intensiv genutzt.

Am 18. März 1944, einem sonnigen Samstagnachmittag, erlebte der Fliegerhorst einen schweren Bombenangriff. Die Schäden waren so schwer, dass von da an der Platz als Heimatbasis für einen Einsatzverband ausfiel. Später erfolgte dann noch die Erprobung von Messerschmitt Me 262 auf dem Fliegerhost und auch Sturmjäger waren hier mit 40 Flugzeugen für nur 3 Tage stationiert.

Am 18. und 20. Juli 1944 erfolgten erneut schwere Angriffe mit verheerenden Zerstörungen auf dem Fliegerhorstgelände. Unmittelbar vor der Kapitulation im April 1945 gab es zwei weitere schwere Luftangriffe, die den Fliegerhorst endgültig unbenutzbar machten. Dabei hatte auch die Stadt Memmingen große Verluste zu erleiden. Memmingen kapitulierte am 26. April 1945.

Nach dem Krieg diente das Fliegerhorstgelände Flüchtlingen aus den Ostgebieten als Zufluchtsstätte. Aus und in den Ruinen wurden notdürftig Unterkünfte errichtet. 1954 erklärte die amerikanische Besatzungsmacht den ehemaligen Fliegerhorst zum Übungsgelände. Damit zeichnete sich schon die zukünftige militärische Nutzung des Geländes ab. 1955 begann man mit dem Wiederaufbau der Gebäude und Hallen, sowie der Instandsetzung, bzw. dem Neubau der Start- und Landebahn.

Anfang Juni 1956 zog ein Vorkommando der Flugzeugführerschule "S" in den Fliegerhorst in Memmingerberg ein. Ab Oktober 1956 nahm dann die Schule den Flugbetrieb in vollem Umfang auf. Zum Einsatz kamen den Flugzeugentypen Noratlas von Nord Aviation und Piper L-18. Von da an gehörten Flugzeuge und Flugbetrieb wieder zum Alltag von Memmingen und den Gemeinden des Unterallgäus. 1959 wurde die Flugzeugführerschule "S" nach Faßberg in die Lüneburger Heide verlegt. Das dort gerade aufgestellte Jagdbombergeschwader 34, JaboG 34, wurde im Gegenzug von Faßberg nach Memmingerberg verlegt.

Die über 40-jährige Geschichte des Geschwaders wird hier zusammenfassend in aller Kürze dargestellt. Eine umfangreiche Geschwaderchronik mit Bildern findet sich unter www.jabog-34.de.vu.

Am 05. Mai 1959 erfolgt die feierliche Indienststellung durch den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß. Erster Kommodore war der spätere Generalleutnant Karl-Heinz Greve. Er war der erste von insgesamt 16 Kommodores. Der 16. und letzte Kommodore, Oberst Norbert Geißendörfer, versah seinen Dienst vom 01.10.2001 bis zur Außerdienststellung des Geschwaders am 30.6.2003.

Das JaboG 34 nahm 1959 den Flugbetrieb mit der Republic F-84F "Thunderstreak" auf. Ab 1964 war dann die Lockheed F-104G, der legendäre "Starfighter" im Einsatz, der dann 1987 von der PanaviaPA 200 "Tornado" abgelöst wurde. Insgesamt hatte das Geschwader seit der Aufnahme des Flugbetriebs bis zur Außerdienststellung mehr als 450.000 Flugstunden absolviert.

Das Geschwader konnte auf eine stolze Geschichte zurückblicken. Es wurde wiederholt mit Bestpreisen ausgezeichnet, hatte Überprüfungen durchweg mit exzellenten Noten bestanden, mit Erfolg Übungen und Manöver absolviert und sich stets durch Erfüllung seines Auftrages bewährt. In den Jahrzehnten des "Kalten Krieges" hatte es durch Einsatzbereitschaft, hohen Ausbildungsstand und Feuerkraft zur erfolgreichen Abschreckung durch die NATO beigetragen.

Während dieser Zeit hatte das Geschwader einen doppelten Einsatzauftrag, konventionell und atomar. Die atomare Abschreckung war Teil der NATO-Doktrin. Zur Erfüllung des atomaren Einsatzauftrages waren aufwendige Maßnahmen notwendig. Für die Bewachung des atomaren Waffenlagers und der in einer vorgegebenen Zeit startbereiten, mit A-Waffen beladenen Alarmflugzeuge auf dem Gelände der QRA (Quick Reaction Alert) wurden besonders strenge Maßstäbe angelegt. Eine eigens für diese Aufgabe aufgestellte Staffel, die Sicherungsstaffel “S”, kam hier zum Einsatz. Verantwortlich für die A-Waffen waren jedoch die Angehörigen einer Staffel der US Air Force, der 7261st MUNSS, mit über 100 Soldaten. Für diese gab es einen eigenen Unterkunftsbereich, eine eigene Wohnsiedlung, eigene Betreuungseinrichtungen und eine eigene Schule. Die Zusammenarbeit war über die Jahre ausgezeichnet. Mit dem Ende des “Kalten Krieges” änderte sich auch der Einsatzauftrag und das Geschwader wurde nur noch in der konventionellen Rolle eingesetzt. Die A-Waffen wurden 1996 aus dem Geschwader abgezogen und die 7261st MUNSS in die USA zurückverlegt.

Das Jagdbombergeschwader 34, seit Mai 1992 Jagdbombergeschwader 34 "Allgäu", JaboG 34 "A", war bis zur Außerdienststellung Teil der Krisenreaktionskräfte, hatte einen hohen Ausbildungsstand, war voll einsatzbereit und uneingeschränkt verlegefähig. Dies wurde ständig bei zahlreichen Übungen in Europa und Nordamerika unter Beweis gestellt. Fliegerische Einsätze überall im europäischen und  nordamerikanischen Luftraum waren ebenso Routine wie Luftbetankungen bei Tag und Nacht. Das Waffensystem "Tornado" als Mittel offensiver Luftkriegsführung entsprach den Forderungen.

Die Voraussetzungen für die Durchführung eines geordneten Flugbetriebes waren optimal. Die Infrastruktur mit Start- und Landebahn, Rollwegen, Abstellflächen, Schutzbauten, Flugbetriebsanlagen, Werften und Instandsetzungsanlagen war top. Die meteorologischen Bedingungen in Memmingen waren nachweislich besser, als bei fast allen anderen deutschen Fliegerhorsten. Die An- und Abflugverfahren waren bei jedem Wetter unproblematisch dank der vorhandenen Luftraumstruktur.

 

Als weitere Komponente neben dem JaboG 34 "A" und der 7261st MUNSS ist die Standortverwaltung zu nennen, ein modernes Dienstleistungsunternehmen der Bundeswehrverwaltung mit der Verantwortung für das Zivilpersonal, für Haushalt, Liegenschaften und Material. Zu diesem Bereich gehörte die Ausbildungswerkstatt, die jährlich 30 Auszubildende in den Fachbereichen Instandsetzungs- und Kommunikationstechnik in drei Jahren zu qualifizierten Fachkräften ausbildete, die in der freien Wirtschaft sehr geschätzt wurden. Die Standortverwaltung Memmingen arbeitete unauffällig, mit hoher Kompetenz und sehr effektiv.

Am Jahresende 2000 fiel die Entscheidung, das Jagdbombergeschwader 34 "Allgäu" außer Dienst zu stellen und den Fliegerhorst zu schließen. Der letzte Tornado des JaboG 34 “A“ wurde am 19. Dezember 2002 ausgeflogen. Die Außerdienststellung des Geschwaders erfolgte dann am 30. Juni 2003. Die Standortverwaltung wurde schließlich am 31. März 2004 aufgelöst. Am 01. April 2004 fiel das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes in den Zuständigkeitsbereich des Bundesministers der Finanzen. Die über 65-jähige Geschichte der Luftwaffe am Standort Memmingen war somit zu Ende.

Die Soldatinnen und Soldaten des Geschwaders und die Zivilbediensteten waren hoch motiviert, absolut zuverlässig und zeigten großen Einsatz bis zum letzten Tag.

Insgesamt bot der Fliegerhorst rund 2.400 Soldaten und Zivilbediensteten einen Arbeitsplatz. Fast alle wohnten mit ihren Angehörigen und Familien in Memmingen und den Umlandgemeinden. Der Fliegerhorst stellte somit im Großraum Memmingen einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor dar.

Bemerkenswert war die Unterstützung des Geschwaders durch den Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen über Jahrzehnte hinweg. Stadt und Land standen hinter "ihrem" Geschwader. Wohltuend und gegenseitig vorteilhaft war die Integration der "Fliegerhorst-Familien" in die Bevölkerung der Umgebung.

 

Bemerkungen zur Auflösung

Welche Gründe hatten den Bundesminister der Verteidigung dazu bewegt, das Geschwader außer Dienst zu stellen und den Fliegerhorst zu schließen? Die Personalstärke der Bundeswehr musste reduziert werden. Die Luftwaffe sollte eines ihrer 5 Tornado-Geschwader aufgeben. Warum fiel nun die Entscheidung gegen Memmingen?

Mögliche Gründe waren:

  • Ein militärischer Grund: Die Luftwaffe zieht sich auf ihre größeren Fliegerhorste zurück (Memmingen ist der kleinste!).
  • Politische Gründe: Memmingen und der Landkreis Unterallgäu sind eine wirtschaftlich starke Region. Bayern behält ein Tornado - Geschwader (Lechfeld), ein Jagdgeschwader (Neuburg), ein Transportgeschwader (Penzing), die Offizierschule der Luftwaffe (Fürstenfeldbruck) und andere Luftwaffen-Einheiten.

 

Konsequenzen waren:

  • Bedingt durch Versetzungen sind mehrere tausend Menschen weggezogen, Familienangehörige mitgerechnet.
  • In vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen wurde dadurch eine Veränderung spürbar (Einzelhandel, Supermärkte, Werkstätten, Handwerk, Immobilien, Gastronomie, Zulieferfirmen, Vertragsfirmen, Schulen, Kindergärten, Vereine, pol. Organisationen etc.). Die Kaufkraft hat spürbar nachgelassen.
  • Es gab einen unmittelbaren Investitions- und Umsatzverlust.
  • Viele zusätzliche Arbeitsplätze in unmittelbarer Umgebung sind verloren gegangen.

Auf dem Fliegerhorst wurde im Laufe der Zeit viel Geld investiert. Diese Steuergelder haben Volksvermögen geschaffen. Deshalb war zu fordern, dass diese Investitionen weiter genutzt werden und nicht verloren gehen dürfen. Die Infrastruktur hat sich für eine wirtschaftliche, fliegerische Anschlussnutzung angeboten.

Die fliegerische Nutzung brauchte nicht zwingend von einem Regionalflughafen aus zu geschehen. Auch ein Verkehrslandeplatz hätte eine Lösung für den Fliegerhorst sein können. Die technischen Voraussetzungen für die fliegerische Nutzung waren gegeben.

Militärischer Flugbetrieb war mit großer Lärmbelästigung verbunden. Stadt und Umland haben diese mit Geduld hingenommen. Ziviler Flugbetrieb verursacht erheblich weniger Lärm.

Es hatten sich viele Menschen und Organisationen über die Anschlussnutzung Gedanken gemacht:

  • Die Lärmgegner, Umweltschützer, etc. waren laut vernehmlich, jedoch ohne Plan
  • Die Politiker der Kommunen, des Kreises und des Freistaates handelten je nach Interessenlage unterschiedlich. Von den Randgemeinden wurde ein Zweckverband gegründet der jedoch nur zu wenigen Ergebnissen gekommen war. Der Freistaat hat den Gedanken eines Regionalflughafens unterstützt.
  • Intensiv, gründlich und mit Sachverstand gingen Vertreter der Industrie und der Wirtschaft die Sache an. Eine “Air Park Allgäu GmbH und Co”, hinter der wichtige Unternehmen in Memmingen und im Unterallgäu stehen, wurde gegründet. Diese Gesellschaft war am Kauf des Geländes interessiert und hatte umgehend die luftrechtliche Änderungsgenehmigung des Flugbetriebs beantragt, die im Sommer 2004 erteilt wurde.

Kritische Punkte waren:

  • Die Zeit drängte! Die Bundeswehr hatte schon sehr bald mit dem Abbau und Ausbau verwertbarer Einrichtungen begonnen (z.B. Flugbetriebsanlagen). Die Wartung von Einrichtungen wurde zurückgefahren bzw. eingestellt (Wasser, Heizung, Feuerschutz usw.), mit allen nachteiligen Folgeerscheinungen.
  • Der Kapitalbedarf für den Erwerb des Geländes war hoch. Die Vorstellungen des Ministeriums waren lange Zeit nicht bekannt. Aber die Erwartungen waren sicher groß, denn die Verkaufserlöse militärischer Liegenschaften sind die einzige zusätzliche Einnahmequelle für den Haushaltsplan des Verteidigungsministers.
  • Die regionale Wirtschaft ist mittelständisch organisiert. Jedes kapitalstarke Großunternehmen auf dem Fliegerhorst wäre sicher nur akzeptiert worden, wenn es eine mittelständische Nutzung ermöglicht.

Im Lauf der weiteren Monate war als potentieller Nachfolgenutzer nur noch die Air Park Allgäu GmbH & Co übrig geblieben. Alle anderen Überlegungen und Planungen waren entweder Luftblasen oder mangels Investoren nur planerische Überlegungen, ohne jemals die Chance auf eine Realisierung gehabt zu haben.

 

Aus der „Air Park Allgäu GmbH & Co“ ist inzwischen der „Allgäu Airport“ geworden, der die vorhandene Infrastruktur für einen regionalen Verkehrsflughafen im Allgäu nutzt. Durch den Flugbetrieb und die Ansiedlung von innovativen Unternehmen sind bereits neue Arbeitsplätze geschaffen worden und somit werden die vorhanden sozioökonomischen Strukturen gesichert.

Alles Weitere über den „Allgäu-Airport“ - unseren ehemaligen Fliegerhorst Memmingen –, sowie die jeweiligen saisonbedingten Zielflughäfen und Flugpläne erfahren Sie unter www.allgaeu-airport.de

 

 

Stand: März 2014

 

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